Monthly Archive for Februar, 2009

Skifliegen in Königsdorf

Segelflieger montieren Skier an ihr Schleppflugzeug

Die starken Schneefälle Ende letzter Woche machten die Start- und Landebahn am Segelflugplatz in Königsdorf unbenutzbar. Das tolle Wetter am Sonntag lud aber zum Fliegen geradezu ein. Kurzerhand wurden daher an das Fahrgestell des Schleppflugzeugs vom Typ Husky spezielle Ski montiert und man konnte auf dem unberührten Schnee, wie ein Skifahrer im Tiefschnee starten und landen.

Die Husky, die mit ihrem 180 PS starken Motor in Königsdorf normalerweise zum Schleppen von Segelflugzeugen eingesetzt wird, wird in den USA gebaut. Dort und in Kanada wird sie oft auf den unzähligen kleinen und kurzen Natur-Landepisten eingesetzt. Auch in Alaska hat sie aufgrund ihrer guten Kurzstarteigenschaften viele Freunde. In Alaska und Kanada wird die Husky auch im Winter mit Skiern am Fahrgestell eingesetzt, da die Pisten dort nicht geräumt werden können. In Deutschland sind insgesamt nur etwa 20 Flugzeuge mit Skiern ausgerüstet und haben dafür eine extra Zulassung vom Luftfahrtbundesamt. Für die Königsdorfer Piloten war Richard Bieber, 51-jähriger Arzt, der es seit 1978 bisher auf über 2000 Flugstunden gebracht hat, federführend für den Umbau und die Zulassung der vereinseigenen Husky zum Skiflugzeug verantwortlich. Bieber war am Sonntag auch der erste, der den jungfräulichen Flugplatz mit eben dieser Husky nutzte. „Es ist einfach phantastisch als erster auf einem frisch eingeschneiten Flugfeld zu landen und seine Spuren zu ziehen, wie beim einem unberührten Tiefschneehang, aber absolut keine Lawinengefahr!“ war sein Kommentar nach der Landung.

Segelflieger in der Föhnwelle

Normalerweise herrscht am Segelflugplatz in Königsdorf während der kalten Jahreszeit Winterschlaf. Lediglich die Flugschüler des SFZ Königsdorf drücken die Fliegerschulbank während des Theorieunterrichts und in den Werkstätten herrscht Hochbetrieb bei den Wartungsarbeiten.

Am Donnerstag jedoch startete Wolfgang Hake jun. zu einem ganz außergewöhnlichen Segelflug. Die Thermik kann momentan nicht als Aufwind der lautlosen Gleiter genutzt werden, da die Sonneneinstrahlung, der Motor für die thermischen Aufwinde viel zu schwach ist. Bei der in der letzten Woche vorherrschenden Föhnwetterlage bilden sich jedoch so genannte Leewellen aus. Durch den starken Föhnwind, der aus Süden über die Alpen hinweg bläst bilden sich Luftschwingungen, vergleichbar mit einer Welle, die sich hinter einem Stein bildet, der sich im fließenden Wasser befindet. Diese Fönwellen auszunutzen gelang dem 21-jährigen Hake, ein für die Jahreszeit bemerkenswerter Flug.

Nach dem Schlepp hinter der von Edi Eichenseher gesteuerten Schleppmaschine klinkte Hake über dem Trimini bei Kochel aus, wo erfahrungsgemäß bei solchen Wetterlagen die erste nutzbare Welle steht. Nach kurzem Suchen fand er dann auch ein gutes Aufwindfeld und konnte mit durchschnittlich zwei Meter pro Sekunde bis auf 3700 Meter steigen. Gegen den mit bis zu 70 km/h starken Wind flog der Maschinenbaustudent Richtung Süden vor und konnte über dem Karwendelgebirge erneut einen Wellenaufwind finden. Über Leutasch konnte er sogar bis 4500 Meter Höhe steigen, was in diesem Gebiet die maximal erlaubte Flughöhe von der Flugsicherung. Hierbei atmete er Höhensauerstoff aus der mitgeführten Sauerstoffanlage. Trotz der dicken Winterkleidung wurde es bei Außentemperaturen um minus 15° Celsius nach fünf stündigem Flug doch „ziemlich kalt, vor allem an den Füßen“, die im Cockpit unter der Abdeckung nicht der wärmenden Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind, wie Hake nach der Landung verriet. Insgesamt gab es an diesem Tag in ganz Europa nur zwei Segelflieger, die diese Wetterlage zu Wellenflügen nutzen.

 

in 3.700 Metern Höhe in der Fönwelle über dem Walchensee

in 3.700 Metern Höhe in der Fönwelle über dem Walchensee


1.: In 3700 Meter Höhe in der Föhnwelle über dem Walchensee 

In 4.300 Meter Höhe in der Föhnwelle über dem Karwendelgebirge

In 4.300 Meter Höhe in der Föhnwelle über dem Karwendelgebirge


2.: In 4.300 Meter Höhe in der Föhnwelle über dem Karwendelgebirge 

In 4.500 Meter Höhe in der Föhnwelle über Leutasch

In 4.500 Meter Höhe in der Föhnwelle über Leutasch


3.:  In 4.500 Meter Höhe in der Föhnwelle über Leutasch